Osnabrück (tl) – Paul Hahn sorgt jedes Jahr aufs Neue für ungläubiges Staunen. Pünktlich zum traditionellen Seifenkistenrennen am Hauswörmannsweg bringt der 59-jährige Seifenkisten an den Start, die mit der klassischen Form wenig zu tun haben.

Allein 500 Häuser sind auf dem Stadtmodell von Stade zu sehen.
Die unmöglichsten Kisten haben bereits die Werkstatt von Hahn verlassen. Eine Lokomotive, ein Bus oder eine detailgetreue Nachbildung des Doms – inklusive Glockengebimmel – bretterten am Himmelfahrtstag den Hauswörmannsweg hinunter.
Auch in diesem Jahr werden die Besucher des Rennens wieder über Hahns Modelle staunen können. Zusammen mit dem aktuellen Abi-Jahrgang des Graf Stauffenberg Gymnasiums bastelt er derzeit an einem eindrucksvollen Safari-Jeep. Zugleich entstehen aus Holz und viel Liebe fürs Detail fahrende Nachbildungen einer Rakete und des Disney-Fisches Nemo.
Ein weiteres Modell ist schon jetzt fertig – die Johanniskirche. Über 3 Monate hat Hahn daran gearbeitet. Holz zugeschnitten, geschpachtelt, gefeilt und die Struktur von rund 10 000 Steinen ins Mauerwerk gefräßt. Bis zu 40 km/h schnell soll die Kiste werden, wenn sie am 2. 6. auf Talfahrt geht. „Geschwindigkeit ist bei solchen Show-Kisten eigentlich nur zweitrangig“, verrät Hahn. Dennoch merkt er mit einem Lächeln an, dass seine Dom-Seifenkiste einst die Porsche-Nachbildung vom Autohaus Starke geschlagen hat.

Die detailgetreue Nachbildung der Johanniskirche soll gegen den Dom antreten.
„Gerne würde ich mit der Johanniskirche gegen den Dom antreten“, verrät Hahn. Doch ob es an Himmelfahrt zum Duell der beiden Kirchen kommt, ist noch fraglich. Der Dom gehört mittlerweile den Bischof. Ob dieser seinen Flitzer noch einmal ins Rennen schicken will, ist uns nicht bekannt.

In filligraner Kleinarbeit entstehen Hahns Modelle – hier die Marienkirche.
Zu sehen ist der rasende Dom bereits vor dem eigentlichen Ereignis am Hauswörmannsweg. Er wird in der Ausstellung „In die Wüste gebaut – 1000 Jahre Stiftskirche St. Johann“ (ab 11. 5., Kulturgeschichtliches Museum) präsentiert. Für diese Ausstellung feilt Hahn derzeit noch an einem anderen spektakulären Modell. Im Keller seines Hauses in Hasbergen wächst derzeit die Katharinenkirche aus Holz heran.
Ohnehin ist Hahn, der ursprünglich den Beruf des Maschinenschlossers erlernt hat, zum gefragten Experten für Holz-Modelle geworden. Überall in seinem Keller liegen Pläne und Zeichnungen. Es riecht nach frisch gehobeltem Holz und in einem kleinen Nebenraum steht derzeit ein echtes Highlight – ein Modell des mittelalterlichen Stades. „Das habe ich für eine Ausstellung der Stadt gebaut“, berichtet Hahn, der Bereits als Kind kaum die Finger von der Laubsäge lassen konnte.Nach einem alten Kupferstich entstand Stück für Stück ein lebendiges Abbild der Hansestadt – inklusive Menschen, Tieren und Schiffen. „So ein Modell ist ein unglaubliches Geduldspiel“, verrät Hahn, der eins von RTL in einem Fernsehbeitrag als Seifenkisten-Urgestein bezeichnet wurde. „Ich habe mich dabei auch etwas verschätzt. Anfangs dachte ich, ich müsse dafür 300 Häuser bauen, am Ende sind es aber 500 geworden“.
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